Plattdeutsch


„Plattdüütsch“ als „nich tou griependet Kulturiärwe“

„Nich tou griependet Kulturiärwe“ – so oder so ähnlich würde man „Immaterielles Kulturerbe“ wohl ins Osnabrücker Platt übersetzen. Niederdeutsch bzw. Plattdeutsch war dabei in Nordwestdeutschland für mehrere Jahrhunderte die gebräuchlichste Sprache. Zur Zeit der Hanse im Mittelalter nahm sie als Handelssprache in weiten Teilen Deutschlands eine dominierende Stellung ein. Mit dem Niedergang der Hanse sank auch der Stellenwert des Niederdeutschen. Plattdeutsch blieb eine Alltagssprache der Menschen auf dem Lande.

Die Anzahl der tatsächlichen Sprecher*innen geht seitdem immer weiter zurück. Heute geht man davon aus, dass in Deutschland noch etwa zwei bis drei Millionen Menschen „Platt schnacken“. Die regionalen Unterschiede der Dialekte sind dabei besonders hoch. So sagt man im Münsterland „Leeze“, im Osnabrücker Land „Föhrättken“ und noch weiter nördlich „Fiets“ oder auch „Drohtesel“, wenn man von einem Fahrrad spricht.

 

Warum es sich hierbei um immaterielles Kulturerbe handelt?

Das „Osnabrücker Platt“ gilt als ganz eigene Mundart und verkörpert eine traditionelle Ausdrucksform, wie sie nur in unserer Region vorkommt. Ähnliches gilt für das variantenreiche „Westfälische Platt“, das zum Beispiel in Tecklenburg noch vereinzelt gesprochen wird. Die Sprachkenntnisse werden von Generation zu Generation weitergegeben. Gerade in der älteren Generation ist das Plattdeutsche häufig noch fester Bestandteil der Identität und somit tief in der Region verwurzelt. Gleichzeitig besitzt das Plattdeutsche als Sprache auch eine Trägerfunktion für immaterielles Kulturerbe. Grundsätzlich ist allerdings erkennbar, dass immer weniger Menschen die plattdeutsche Sprache beherrschen, geschweige denn aktiv sprechen.

Um dem „Aussterben“ des Plattdeutschen in unserer Region entgegenzuwirken und die plattdeutsche Sprachkultur zu pflegen, haben sich Initiativen wie „Plattfoss – der Plattdeutsche Förderkreis in der Region Osnabrück e.V.“ gegründet. Musikgruppen wie die „Pottbäcker“ oder „Wippsteert“ tragen mit ihren plattdeutschen Texten aus der Region ebenso zum Erhalt der alten Sprache bei, wie die „Plattdeutsche Theatergruppe“ in Eggermühlen. Letztere verkörpert eine besondere Form immateriellen Kulturerbes: das Niederdeutsche Theater wird seit 2014 auf der UNESCO-Liste immaterieller Kulturgüter geführt.  Wer sich selbst das „Osnabrücker Platt“ aneignen will, kann sich das 2013 erschienene „Ossenbrügger plattdüütsket Wöerebouk“ zulegen.

Wir haben uns selbst auf die Suche nach dem „Ossenbrügger Platt“ gemacht und den „Pottbäcker“ Bernd Niehenke besucht, der uns erzählte, was er mit dem Plattdeutschen verbindet und sogar ein Lied auf seiner „Quetschkommode“ vorspielte. Der unvergleichliche plattdeutsche Charme, mit dem Niehenke seine Stücke zum Besten gibt macht Lust auf mehr. Deshalb plant er in Kooperation mit TERRA.vita die Aufnahme eines Albums, um seine Werke festzuhalten und somit zur Bewahrung immateriellen Kulturguts beizutragen. Neugierig geworden? Dann hör doch mal rein:



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